friedericus

Verkaufskatalog • Berlin • Privatverkauf • Anlässlich des 300. Geburtstags Friedrich des Großen 1712-2012

Kaffee und Wein

Dem Straßenbau in Preußen und Brandenburg schenkte der Große König sehr wenig Beachtung, es wurden kaum Mittel zur Verfügung gestellt. Friedrich II schenkte dem Binnenhandel seine volle Aufmerksamkeit, er ließ den Plauenschen-, den Finow- und den Netzekanal bauen. Damit verbesserte er die Binnenhandelswege und die Verbindung zum einzigen großen preußischen Seehafen Stettin.

Die Nikolai-Kirche von Berlin, ein handcolorierter Kupferstich gestochen von Barber nach einer Zeichnung von Hintze.

Die Nikolai-Kirche von Berlin, in einem sehr guten Zustand, gerahmt, wird angeboten im Privatverkauf Dunkeld

Wenn dem König auch nicht alles glückte, was er zur Förderung der preußischen Wirtschaft unternahm, so ist doch ein erheblicher wirtschaftlicher Aufschwung während seiner Regierungszeit festzustellen. An der Stelle eines sich lokal und territorial abschließenden Wirtschaftssystems trat der Warenaustausch im ganzen preußischen Staate und erstmals auch der Griff nach Übersee.
Die folgenden Randbemerkungen lassen deutlich erkennen, worauf es dem König bei der Förderung der Wirtschaft ankam. Zugleich aber wird auch seine stete Wachsamkeit sichtbar, sich auf keinen Fall übervorteilen zu lassen. So sehr er bereit war, neue Unternehmungen mit Beihilfen zu fördern, so hielt er sogleich den Daumen auf den Beutel, sobald er irgendwie Unrat witterte.
Darum scheiterte auch der betrügerische Italiener Calzabigi, der in Preußen eine Lotterie nach italienischem Muster zugebilligt erhalten und selbst gepachtet hatte. Die Verpachtung an ihn wurde sehr bald wieder aufgehoben. Durch den Einsatz preußischer Beamter steigerte sich der Ertrag der Lotterie am Ende von Friedrichs Regierungszeit, gegen den anfänglichen Betrag von nur 25.000 Talern auf 75.000 Taler jährlich.

Der König nahm einen Vorschlag der Neumärkischen Kammer bei der bevorstehenden (1741) gesegneten Ernte das Branntweinbrennen wieder zu gestatten, zur Veranlassung eines Einfuhrverbotes:
„Das ist recht Meclenburgisch getreide mit Placaten verbohten Die Holsteinische butter auch und suma alle aus Wertige Danréen (denree = Lebensmittel) und Wahren.“
Durch Mehranbau von Cichorie, Mehrerzeugung von Bier, Verbot des Verkaufs gebrannten Kaffees und von Kaffeebohnen über 5 Pfd. suchte Friedrich den Verbrauch des Kaffees einzuschränken. Am liebsten hätte er ihn ganz beseitigt:

„Il faut exstirper Í usage du caffè, autant quìl est en nous.“(Man muß den Gebrauch des Kaffees ausmerzen soweit es sich um unser Land handelt.)

Den Weinhändlern war die Einfuhr von Wein aus Franken oder anderswoher verboten. Da aber die Fuhrleute ihre Wagen auf der Rückfahrt mit Landeserzeugnissen beluden und auf diese Weise viel Geld im Lande blieb, fragte das Generaldirektorium an, ob das Verbot aufrecht erhalten werden sollte:

„wen Wein eingeführet würd leiden die brauers Wint Wint es Sol beim alten bleiben, noch dartzu Sol alles Mecklenburgische und Schwedische korn Stark Impostiret werden. alle Säksische Wahren Impostiret Suma was fremde ist umb Unsern eigenen Debit zu fawerisiren. Wohr ich zurüke Kome in berlin So wirdt gros Lernen werden wohr nicht alle fremden Sachen butter Stof und wahren Stark Impostiret Sein.“
Das Generaldirektorium hat nach Ansicht des Königs den Zoll für außerpreußischen Wein zu niedrig angesetzt:
„Der Einheimische Wein Sol 2 gr accise geben, der ausländische aber 12. Das Directorium mus wohl eben durstig gewesen sein, das es um Wohlfeillen Preis des weines bei Zeiten sorget.“

 

Text erstellt von Henry Dunkeld

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